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  Die New York Times geht nach Baltimore, findet es nur der Mühe wert, mit der Polizei zu sprechen

Neil deMause

 

Die Geschichte der New York Times über die Demonstrationen in Baltimore war passend genug illustriert mit einem Foto von Polizisten und Paramilitärs, welche Demonstranten vom Schauplatz fortschafften.

Leser, die sich auf der Website der New York Times am Morgen des 28.4.2015 über die anhaltenden Proteste in Baltimore aufgrund des Todes von Freddy Gray im Polizeigewahrsam informieren wollten, fanden eine erschreckende Geschichte von Aufrührern, die mit Schlackenbrocken Feuerwehrleute bewarfen, die versuchten, gelegte Brände zu löschen, nachdem die Stadt von Leuten heimgesucht war, die „keine Rücksicht auf Leben“ nahmen.

Wessen Geschichte war das nun? Hier die ersten sechs Zitate aus der Geschichte der NYT:

„Die Polizei sagte“

„Die Polizei sagte“

„Die Polizei berichtete auch“

„Die Polizei sagte“

„Vertreter des Staats und der Stadt sagten“

„Die Polizei bestätigte“

Bis zum 12. Absatz schafft es die Zeitung nicht, jemanden zu zitieren, der kein Polizei- oder Regierungsvertreter ist. (UPDATE: kurz nach Mittag änderte die NYT ihre Geschichte dahingehend, dass sie sehr weit oben eine Äußerung eines Bewohners einfügte, der nach der nächtlichen Gewalt aufräumte. Noch immer gab es keine Äußerungen von Demonstranten oder jemandem, der in der vergangenen Nacht am Schauplatz war. Die Originalgeschichte wird auf andere Websites über den New York Times News Service übertragen.)

Offizielle Quellen beim Wort zu nehmen ist nur zu üblich in der Berichterstattung der Medien in den Vereinigten Staaten von Amerika, natürlich – besonders wenn über Konflikte in entfernten Ländern berichtet wird. Baltimore hingegen ist für NYT-Reporter um einiges leichter erreichbar als Afghanistan, ja in der Tat betrieb einer der beiden Autoren der Geschichte der NYT, Richard Opel und Stephen Babcock, einige Recherchen an Ort und Stelle, die später drankommen – nachdem der Hauptteil der Erzählung von der Polizei von Baltimore bestritten worden ist.

In der Tat berichten eine Reihe von anderen Nachrichtenoutlets vom Schauplatz. Brandon Soderberg vom Baltimore City Paper berichtete, wie Barbesitzer beitrugen, die Gewalt am Samstag vor dem Baltimore Orioles-Stadion anzuheizen, indem sie rassistische Parolen herumschrien und Demonstranten mit Bierflaschen bewarfen. Und der Technologiekolumnist Christopher Mims von Wall Street Journal berichtete nach den Demonstrationen am Samstag, dass diese „überwältigend friedlich“ waren – allerdings mussten sich Journal-Leser für diese Informationen schon an Mims Twitter-Feed (26.4.2015) halten, nicht an die Zeitung.

Die New York Times ist mittlerweile hauptsächlich bei den Regierungsangaben geblieben, sogar bei einer Geschichte, die danach schreit, im Zug der originalen Berichterstattung die offizielle Linie links liegen zu lassen. Der Aufmacher auf der Titelseite in der Printversion vom 28.4.2015, der das Hauptaugenmerk auf die Ausrufung des Ausgehverbots und die Mobilmachung der Nationalgarde richtete, zitierte der Reihe nach den Bürgermeister von Baltimore, den Governor von Maryland, den Polizeibeauftragten, „die Polizei“ (zitiert als Quelle einer ‚glaubwürdigen Drohung,’ dass Banden planten, ‚Ordnungskräfte fertigzumachen’) und einen Captain der Polizei – diese alle, bevor der Pastor zitiert wurde, der bei Grays Begräbnis zur Ruhe aufrief.

Jemand sollte das Aushängeschild der Presse daran erinnern, dass Vertreter der Regierung kein Monopol in Bezug auf die Wahrheit haben.

 
     
  erschienen am 28. April 2015 auf > FAIR - Fairness & Accuracy in Reporting > Artikel  
 
siehe dazu im Archiv:
  Robert C. Koehler - Tiefgehende Gerechtigkeit in Ferguson
  Robert C. Koehler - Seelenmord
  Robert C. Koehler - Ein kaputtes System perpetuiert sich selbst
  Robert C. Koehler - Gemeinwesen im Fadenkreuz
  Ismael Hossein-zadeh - Das Chaos im Mittleren Osten und darüber hinaus ist geplant
  Jonathan Turley - Das Große Geld hinter dem Krieg: der militärisch-industrielle Komplex
  David Swanson - Das Pentagon versucht, aus Verlierern Sieger zu machen
  Matthew Harwood - ‚Sie sahen alle gleich aus’
  George Monbiot - Der Kolonialismus hat nie aufgehört, er geht weiter mit anderen Mitteln
  Lawrence Wilkerson - Seit jeher Ziel des Imperiums: Reichtum und Macht
 
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