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"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

     
  Hormus und die drohende Wirtschaftskatastrophe

Die Trump-Regierung verkennt das große Ganze.

Philip Pilkington

 

In dem Martial-Arts-Klassiker „Der Mann mit der Todeskralle“ (Originaltitel: *Enter the Dragon*) unterweist die von Bruce Lee verkörperte Figur einen jungen, aufstrebenden Kämpfer. Genervt von den ausbleibenden Fortschritten seines Schülers, deutet er in den Himmel. „Es ist wie ein Finger, der auf den Mond zeigt“, sagt er, während der Schüler versucht, sich auf die Worte seines Lehrers zu konzentrieren. „Konzentrier dich nicht auf den Finger“, sagt Lee und versetzt ihm einen Schlag auf den Kopf, „sonst verpasst du all die himmlische Pracht.“ Das Zitat stammt aus einem alten buddhistischen Text, dem Surangama-Sutra, und die Botschaft ist klar: Wer sich zu sehr auf das konzentriert, was direkt vor ihm liegt, kann das Wesentliche völlig aus den Augen verlieren.

Genau das geschieht derzeit in Washington, D.C. Seit fast zwei Wochen dreht sich die Debatte über den Fortschritt – oder dessen Ausbleiben – im Iran-Konflikt vor allem um die Vorgänge in der Straße von Hormus. Plötzlich meldete sich eine ganze Reihe von Schifffahrtsexperten zu Wort, um zu verkünden, der Trump-Regierung sei es gelungen, die für den Schiffsverkehr entscheidende Wasserstraße wieder zu öffnen. Vertreter einer Maximalposition behaupten, dies bedeute, dass die USA den Krieg im Nahen Osten faktisch gewonnen hätten. Andere vertreten die bescheidenere Ansicht, die Wiederöffnung der Meerenge werde die drohende Energiekrise lösen.

Dies waren die beiden Sichtweisen, die der breiten Öffentlichkeit – also jenen, die nicht tief in die Debatte involviert waren – am häufigsten begegneten. Es gab jedoch eine kleine, aber lautstarke Minderheit, die bezweifelte, dass die Meerenge überhaupt geöffnet worden war. Wenn der Iran im Frühjahr und Sommer die effektive Feuerkontrolle über die Straße von Hormus innehatte – so lautete ihr Argument –, warum sollte er diese nun plötzlich verloren haben? Kaum war diese Frage aufgeworfen, beendete der Iran die Debatte, indem er eine enorme Anzahl von Schiffen angriff: zwölf an der Zahl – Tendenz steigend – innerhalb von weniger als einer Woche.

Für diejenigen unter uns, die aufmerksam waren, wirkte das gesamte Geschehen wie der Blick auf Lees Finger, während dieser auf den Mond deutet. Während sich diese Debatten entfalteten, setzte sich am Markt für US-Staatsanleihen ein massiver Ausverkauf fort. Bloomberg zitierte einen Investmentbanker mit der Aussage, US-Staatsanleihen würden „wie eine Meme-Aktie gehandelt“. US-Staatsanleihen haben inzwischen die schlechtesten langfristigen Renditen ihrer Geschichte verzeichnet.

US-Staatsanleihen sind keine gewöhnliche Anlageklasse. Zum einen verbriefen sie Schulden der US-Regierung. Sollten sie für Investoren unattraktiv werden, stünde die Fähigkeit Washingtons, durch die Ausgabe von Schuldtiteln über die eigenen Verhältnisse zu leben, infrage. Zudem dienen diese Anleihen als Referenzwert für das gesamte globale Dollarsystem, das es den USA seit Jahrzehnten ermöglicht, enorme Haushaltsdefizite anzuhäufen. Wenn dieses Anlageinstrument beginnt, sich „wie eine Meme-Aktie“ zu verhalten und miserable Renditen abwirft, werden sich ausländische Investoren anderweitig orientieren. Erst diese Woche betonte der Präsident der Deutschen Bundesbank, dass „die Argumente für eine weitere Diversifizierung in Richtung Gold weiterhin stark sind“. Das Thema wird diskutiert.

Mitte September veröffentlichte der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf eine Gleichung auf X. Ungewöhnlich für eine eher obskure mathematische Formel, erzielte der Beitrag fast 7 Millionen Aufrufe. Bei der Gleichung handelte es sich um eine abgewandelte Version der sogenannten „Taylor-Regel“ – einer Methode, die Ökonomen und Zentralbanker bei der Festlegung der Leitzinsen anwenden. Unter normalen Umständen berücksichtigt diese Gleichung die erwartete künftige Inflation sowie die Auslastung der Wirtschaft. Ghalibafs Gleichung – von ihm als „Straits Taylor Rule“ bezeichnet – enthielt jedoch zwei neue Variablen: die Straße von Hormus und das Bab al-Mandab. Dies sind jene beiden Wasserstraßen, die derzeit vom Iran beziehungsweise von den Huthi-Rebellen im Jemen unter Beschuss genommen werden.

Die Gleichung veranschaulicht in vereinfachter Form die Strategie des Iran. Durch die Kontrolle dieser Wasserstraßen haben sich der Iran und seine verbündeten Gruppierungen Einfluss auf den globalen Energiemarkt verschafft. Indem der Iran Druck auf diese strategischen Engpässe ausübt und so die Inflationserwartungen in die Höhe treibt, kann er faktisch Kontrolle über die amerikanischen Finanzmärkte erlangen. Zentralbanken wie die Federal Reserve haben erkannt, dass es sich hierbei nicht bloß um einen Bluff handelt, und bereits mit Zinserhöhungen begonnen. Ghalibafs Gleichung erklärt zu einem wesentlichen Teil, warum US-Staatsanleihen derzeit wie eine Meme-Aktie gehandelt werden. Während sich dieser Druck an den amerikanischen Finanzmärkten bemerkbar macht, gerät auch die Realwirtschaft zunehmend unter Zugzwang. Jüngste Berichte der Energy Information Agency (EIA) deuten darauf hin, dass die Kosten für Heizöl in den USA in diesem Winter voraussichtlich um 21 Prozent steigen werden. Der Dieselmarkt steuert auf eine ernsthafte Krise zu; Präsident Donald Trump hat bereits ein mögliches Verbot von Diesel-Exporten ins Spiel gebracht, um Engpässe zu verhindern. Diesel ist das Lebenselixier der amerikanischen Logistikkette. Sollte es zu Engpässen kommen, würden Züge und Lastwagen stillstehen und Waren nicht mehr in die Verkaufsregale gelangen. Zwar hat Trump das geplante Exportverbot vorerst zurückgezogen – nachdem er die Europäer unter Druck gesetzt hatte, ihre Öl- und Dieselreserven auf den Markt zu bringen –, doch ist es durchaus möglich, dass diese Option bei einer Verschärfung der Krise erneut zur Debatte steht. Auch die Lebensmittelpreise ziehen an, wobei insbesondere die Entwicklung der Zuckerpreise Anlass zur Sorge gibt.

Ghalibaf legte erneut dar, wie dies Teil der Gesamtstrategie des Iran ist. In einem Beitrag auf X veröffentlichte der Parlamentspräsident diese Woche eine einfache Grafik – versehen mit dem eindringlichen Bild eines Gespensts –, die auf der einen Seite steigende Rohstoffpreise und Zinssätze zeigt und auf der anderen Seite ein sinkendes Verbrauchervertrauen, schwindendes ausländisches Interesse an US-Staatsanleihen, nachlassende Investitionen der „Hyperscaler“ sowie eine abnehmende Erschwinglichkeit von Wohnraum. Die Iraner versuchen nicht nur, das amerikanische Finanzsystem unter Druck zu setzen – sie zielen darauf ab, die gesamte Wirtschaft extrem zu belasten. Zudem hat es zunehmend den Anschein, als wollten sie diesen Druck spürbar machen, noch bevor die amerikanischen Wähler am 3. November an die Urnen gehen.

Die Trump-Regierung hat sich auf die Straße von Hormus fixiert und betrachtet sie als entscheidenden Schauplatz, an dem die USA den Krieg gewinnen können. Doch die Meerenge ist lediglich Mittel zum Zweck. Für den Iran besteht dieses Ziel darin, die amerikanische Wirtschaft und das Finanzsystem schleichend zu zermürben, bis der Druck zu groß wird und die USA einlenken. Die Vorstellung, man könne einen solchen Kampf „gewinnen“, ist eine Illusion.

Die Meerenge ist in Lees Analogie lediglich der Finger. Auf Irans gesamte Wirtschaftsstrategie – den Mond – sollten wir uns konzentrieren. Und wenn wir das tun, gelangen wir zu der besorgniserregenden Schlussfolgerung, dass der Schaden für die amerikanische Wirtschaft und das Finanzsystem bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Trump-Regierung aufgibt, so schwerwiegend sein wird, dass eine Erholung viele, viele Jahre dauern könnte.

 
     
  erschienen am 9. Oktober 2026 auf > The American Conservative > Artikel  
  Philip Pilkington ist ein irischer Ökonom, der im Bereich Investmentfinanzierung tätig ist.  
     
   
     
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