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| Anklage
gegen Raúl Castro: Ein neuer Tiefpunkt in der
US-Kubapolitik Medea Benjamin
Offenbar hat die Trump-Regierung beschlossen, dass Kuba nach Jahrzehnten wirtschaftlicher Strangulierung, CIA-Attentatsversuchen, Sabotageaktionen, Invasionen, Sanktionen, Stromausfällen, Versorgungsengpässen und über einem halben Jahrhundert gescheiterter Regimewechselpolitik jetzt vor allem die Anklage gegen die 94-jährige Revolutionsikone Raúl Castro braucht. Die Vereinigten Staaten von Amerika und Kuba müssen keine Feinde sein. In der Tat normalisierten die beiden Länder erst vor zehn Jahren ihre Beziehungen. Ich war 2015 beim Amerika-Gipfel in Panama-Stadt dabei, als Barack Obama und Raúl Castro zur Freude aller Anwesenden die Hände schüttelten die erste bedeutende öffentliche Begegnung zwischen den Staatschefs beider Länder seit Jahrzehnten. Obama sagte: Die Vereinigten Staaten wollen nicht Gefangene der Vergangenheit sein, während Raúl Castro Obama für die Schritte zur Normalisierung dankte und ihn einen ehrlichen Mann nannte. Die Öffnung war für beide Länder ein Gewinn: ein Zustrom amerikanischer Touristen, ein Aufschwung der Privatwirtschaft und neue Möglichkeiten für die Zivilgesellschaft. Dann kam Donald Trump, der die Beziehungen erneut in eine Abwärtsspirale trieb. Bis heute, nach der Anklage gegen Raúl Castro wegen des mutmaßlichen Befehls zum Abschuss der Flugzeuge der Brüder zur Rettung im Jahr 1996, bei dem vier Männer ums Leben kamen. Ich befand ich mich damals in Kuba und leitete eine Gruppe amerikanischer CEOs, die an Investitionen auf der Insel interessiert waren. Am nächsten Tag sollten wir uns mit Fidel Castro treffen. Doch nach dem Abschuss der Flugzeuge wurde das Treffen abgesagt, und die Wirtschaftsvertreter beeilten sich, den nächsten Flug zurück nach Miami zu nehmen. Es war ein tragischer und bedauerlicher Vorfall nicht nur wegen der verlorenen Menschenleben, sondern auch, weil er die politische Haltung gegenüber Kuba für Jahre verhärtete und den Weg für die Verankerung der US-Blockade in einem Gesetz ebnete. Es ist jedoch entscheidend, den Kontext zu verstehen. Der Anführer der Gruppe, José Basulto, war ein Veteran der desaströsen Invasion in der Schweinebucht 1961 und hatte eine lange Geschichte anti-kubanischer Militanz. Er gab offen zu: Ich wurde von den Vereinigten Staaten zum Terroristen ausgebildet. Die Gruppe verletzte wiederholt den kubanischen Luftraum und warf regierungsfeindliche Flugblätter über Havanna ab. Basulto selbst erklärte nach einer solchen Mission: Wir wollen Konfrontation. Zwischen 1994 und Februar 1996 dokumentierten das kubanische Außenministerium und die kubanische Zivilluftfahrtbehörde mehr als 25 schwere und systematische Verletzungen des kubanischen Luftraums durch Flugzeuge der Gruppe Brüder zur Rettung. Die kubanische Regierung warnte Washington, die FAA und internationale Luftfahrtbehörden wiederholt davor, dass diese Flüge illegal und gefährlich seien. US-Beamte kannten die Risiken. Die am 19. Mai 2026 veröffentlichten, freigegebenen Dokumente des National Security Archive belegen, dass hochrangige US-Beamte wussten, dass fortgesetzte Verletzungen des kubanischen Luftraums zu einer Katastrophe führen könnten. Eine E-Mail der FAA vom 22. Januar 1996 einen Monat vor dem Abschuss warnte ausdrücklich vor dem Worst-Case-Szenario, dass eines Tages die Kubaner eines dieser Flugzeuge abschießen werden. Im selben Dokument wurde bestätigt, dass Beamte des US-Außenministeriums die Überflüge als weitere Provokation der kubanischen Regierung verstanden. Am 23. Februar 1996 warnte der Kuba-Berater des Weißen Hauses, Richard Nuccio, den Nationalen Sicherheitsberater Sandy Berger: Die Spannungen in Kuba sind so hoch, dass wir befürchten, dies könnte die Kubaner schließlich dazu veranlassen, zu versuchen, das Flugzeug abzuschießen oder zum Absturz zu zwingen. Die FAA lehnte Nuccios Antrag auf ein Flugverbot jedoch ab. Obwohl Uneinigkeit darüber herrscht, ob die Flugzeuge letztendlich im kubanischen oder internationalen Luftraum abgeschossen wurden, sollen die Piloten einen falschen Flugplan eingereicht und sich trotz direkter Warnungen der kubanischen Fluglotsen erneut dem kubanischen Luftraum genähert haben. Die Heuchelei, Raúl Castro fast 30 Jahre später anzuklagen, ist angesichts der langen Geschichte anti-kubanischer Extremisten, die von US-amerikanischem Boden aus operieren, um die Insel mit Bombenanschlägen, Sabotageakten und Flugzeugterror zu terrorisieren, erschreckend. 1976 verübten Terroristen einen Bombenanschlag auf Cubana-Flug 455, bei dem alle 73 Insassen, darunter die gesamte kubanische Fechtnationalmannschaft, ums Leben kamen. 1997 wurde ein 32-jähriger italienischer Tourist bei einem Bombenanschlag auf ein Hotel getötet, der Kubas Tourismusindustrie zerstören sollte. Dennoch wurden Männer, die an diesen Gräueltaten beteiligt waren, darunter Orlando Bosch und Luis Posada Carriles, von den US-Behörden geschützt und durften in Miami frei leben. Und vergessen wir nicht: Dieselbe US-Regierung, die jetzt Anklage gegen Raúl Castro erhebt, hat selbst tödliche Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote in der Karibik und im Pazifik durchgeführt, Angriffe, bei denen seit September 2025 mindestens 193 Menschen getötet wurden, ohne Transparenz oder ordnungsgemäßes Verfahren. Diese neue Anklage ist nichts anderes als eine zynische Eskalation der langjährigen US-Bemühungen, einen Regimewechsel in Kuba zu erzwingen. Wird Washington versuchen, sie als Vorwand für eine Invasion der Insel und die Entführung von Raúl Castro zu nutzen, wie es im Fall von Nicolás Maduro in Venezuela geschah? Werden erneut US-Truppen zur Besetzung Kubas entsandt, wie schon 1898, 1906 und 1912? Wird ein Bürgerkrieg angezettelt? Wir wissen es nicht. Aber eines ist sicher: Trotz gegenteiliger, unbegründeter Behauptungen stellt Kuba keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika dar. Und die Vereinigten Staaten haben absolut kein Recht null , sich in Kubas innere Angelegenheiten einzumischen. Raúl Castro ist 94 Jahre alt. Möge er seine letzten Jahre in dem Land verbringen, in dem er geboren wurde und für das er sein ganzes Leben lang gekämpft hat. Anstatt die Blockade zu verschärfen und Kuba in noch größere Armut, Instabilität, Migration und Verzweiflung zu treiben, sollten die Vereinigten Staaten von Amerika endlich ihre gescheiterte Herrschaftspolitik aufgeben, die Sanktionen aufheben und den Kubanern und nicht den Politikern in Washington oder den Hardlinern in Miami erlauben, über Kubas Zukunft zu entscheiden.
siehe dazu im Archiv: Klaus Madersbacher - Die wahren Terroristen Marjorie Cohn - Menschenrechtsgeheuchel: USA kritisieren Kuba |
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| erschienen am 21. Mai 2025 auf > Antiwar.com > Artikel | ||||||||||||||
| Archiv > Artikel von Medea Benjamin auf antikrieg.com | ||||||||||||||
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